Die Liebesheirat

Roman

Erschienen am 11.10.2010
Auch erhältlich als:
Bibliografische Daten
ISBN/EAN: 9783442738830
Sprache: Deutsch
Umfang: 352 S.
Format (T/L/B): 2.5 x 18.7 x 12 cm
Einband: kartoniertes Buch

Beschreibung

Eine turbulente Familiensaga voller Witz und Gefühl 'Man heiratet nicht nur einen Menschen. Man heiratet eine Familie.' Yalini, die Tochter srilankischer Einwanderer, fühlt sich längst heimisch in Amerika, als eines Tages Besuch aus Sri Lanka vor der Tür steht - mit zahllosen anrührenden Geschichten und ausreichend Zündstoff im Gepäck. Der Onkel, ein radikaler Widerstandskämpfer, will Yalini in die Familiengeheimnisse einweihen, und ihre Cousine soll einen Mann heiraten, den sie nie zuvor gesehen hat. Und da man sich niemals ganz von der Geschichte der Familie befreien kann, in die man hineingeboren wurde, forscht Yalini nach, welche Beziehungen ihre turbulente Großfamilie ausmachen: von der arrangierten Ehe über die freundschaftliche Verbindung, die Heirat mit dem Feind, der eigentlich gar keiner ist, bis hin zur Liebesheirat mit Happy End. Doch am Ende muss Yalini selbst entscheiden, wie viel Tradition und Familie sie ertragen kann.

Leseprobe

IN MEINER über den ganzen Erdball verstreuten sri-lankischen Familie spricht man nur von zwei Arten von Heirat. Die erste ist die arrangierte Heirat. Die zweite ist die Liebesheirat. In Wirklichkeit existiert zwischen diesen beiden ein weites Spektrum, und die meisten von uns verbringen Jahre damit, sich von der ersten zu befreien und zur zweiten überzulaufen. Einige der Kategorien, die außerhalb jener genau festgelegten Grenzen liegen: die selbst arrangierte Heirat, die Heirat mit einem Außenstehenden, die Vetternheirat, die Dorfheirat, die Auslandsheirat. Es gibt die Heirat ohne Zustimmung. Es gibt die Zwangsheirat und sogar die Heirat mit dem Feind, der, wie sich herausstellt, gar kein Feind ist. Man kann sich niemals ganz von den Geschichten der Familie befreien, in die man hineingeboren wurde. Das Wesen bestimmter Verbindungen wird einem verheimlicht, mit anderen Worten umschrieben, das Gesprächthema wird fallen gelassen und neue Musik aufgelegt. Es gibt die anständige Heirat und die unanständige Heirat. Von Letzterer spricht man in meiner tamilischen Familie nur im Flüsterton. IN DER REGEL nehmen alle Familien mit einer Heirat ihren Anfang. Und umgekehrt. Man heiratet nicht nur einen Menschen, sagt mein Vater zu niemand Bestimmtem. Man heiratet eine Familie. Die selbst arrangierte Heirat: Mein Vater hat die Familie meiner Mutter mit so großem Erfolg geheiratet, dass er dort inzwischen genauso gut hineinpasst wie in seine eigene - falls nicht noch besser. Meine Mutter ist eine Aravindra und, wenn man noch weiter zurückgeht, eine Vairava, was bedeutet, dass ihre Verwandten - und ganz besonders ihre Geschwister - neugierig und laut sind, über einen ausgeprägten Familiensinn verfügen und sich gern mit Fragen der Haushaltsführung beschäftigen. Noch heute, Jahre, nachdem sie die alte Heimat verlassen haben, das kleine Haus in der Ortschaft Urelu nahe der Stadt Jaffna, bleiben sie über Telefonleitungen und sorgfältig abgefasste Luftpostbriefe verbunden. Niemals vergessen sie Geburtstage, Curry-Rezepte oder erwiesene Lieblosigkeiten. Sie waren einmal zu viert, heute sind sie zu dritt. Mein Vater liebt die Familie meiner Mutter, und im Gegenzug dafür hat diese ihn aufgenommen. Sie haben längst vergessen, dass sie aus allen Winkeln der Erde beschützerisch um meine Mutter zusammengerückt sind, als er sie heiraten wollte. Sie waren gegen eine Heirat mit einem Mann, den sie nie zuvor gesehen hatten. Heute erinnern sie sich nur noch daran, dass meine Mutter ein glückliches Leben in einem Land führt, das viel sicherer ist als das ihrer Geburt. Fünfundzwanzig Jahre nach der Hochzeit tun meine Eltern gern so, als sei ihre Ehe arrangiert gewesen, schließlich sind sie beide sehr anständig. Aber ihr Geheimnis ist aufgeflogen: Sie hatten sich verliebt. Wenn man genau hinsieht, dann merkt man, wie ähnlich sie sich in gewissen Momenten sind. Auf diese Weise haben sie sich auch verliebt: Sie haben die Gewohnheiten des anderen übernommen, seine Gesten, Vorlieben und den Sinn für Humor. Sie haben ihre Zweisamkeit mit einer Mauer umgeben, und jeder einzelne der Mauersteine ist ein geteiltes Geheimnis oder vielleicht auch eine Ausnahme, die der eine irgendwann einmal für den anderen gemacht hat. Sie sind das lebende Beispiel dafür, dass man auf allen Hochzeiten gleichzeitig tanzen kann. Sie lassen alle in dem Glauben, sie selbst seien für ihr Zusammensein in keiner Weise verantwortlich. Sie haben die Choreografie der Bräuche und die Zeremonien der traditionellen Heirat eingehalten, sprich: der arrangierten Heirat. Wir haben, sagen sie, nicht aus romantischen Gründen geheiratet. Alles fängt mit einem Händedruck an, der nicht zu den fernöstlichen Sitten zählt, aber im Westen die Geste der Begrüßung geworden ist. Die Berührung der Finger stellt eine fremdartige, köstliche Intimität her; sie leitet die Geschichte ein. Diese zwei, meine Eltern, haben ihr Geheimnis nie offen zugegeben - vielleicht nicht einmal voreinander. Sie ha

Weitere Artikel vom Autor "Ganeshananthan, V V"

Alle Artikel anzeigen

Weitere Artikel aus der Kategorie "Belletristik/Erzählende Literatur"

Alle Artikel anzeigen