Notting Hill Carnival

Die Aushandlung des Eigenen im multiethnischen Großbritannien seit 1958, Repräsentationen sozialer Ordnungen im Wandel 31, Eigene und Fremde Welten 31

Erschienen am 18.06.2014, 1. Auflage 2014
59,00 €
(inkl. MwSt.)

Lieferbar innerhalb 1 - 2 Wochen

In den Warenkorb
Bibliografische Daten
ISBN/EAN: 9783593500638
Sprache: Deutsch
Umfang: 543 S.
Format (T/L/B): 3.5 x 21.1 x 14.1 cm
Einband: Paperback

Beschreibung

Migration und Multikulturalismus, Integration und Identität - bis heute lösen diese Themen in westlichen Gesellschaften Kontroversen aus. Die Begegnung mit dem Anderen hat in der Geschichte wiederholt vertraute Ordnungen und Vorstellungen herausgefordert. Sebastian Klöß analysiert diese Debatten am Beispiel des Notting Hill Carnivals in London. Die mehrtägige Großveranstaltung gilt als Kontaktzone, in der Afrokariben und Briten ihre eigene Identität und die Abgrenzung zum Anderen konflikthaft aushandeln. Die Analyse des multikulturellen Festes leistet einen wichtigen Beitrag zum Verständnis von Migrations- und Integrationsprozessen.

Autorenportrait

Sebastian Klöß promovierte am Sonderforschungsbereich 'Repräsentationen sozialer Ordnungen im Wandel' der HU Berlin.

Leseprobe

Einleitung Notting Hill Carnival "Carnival is something you cannot ignore [.]. In 100 years' time historians will find it very difficult to ignore and dismiss it simply as a bunch of Westindians jumping up and down in the road". Diese Aussage von Claire Holder, einer früheren Organisatorin des Notting Hill Carnivals, ist prophetisch und falsch zugleich. Prophetisch, weil Historiker den Notting Hill Carnival mittlerweile in der Tat für relevant halten. Sogar für so relevant, dass darüber - siehe die vorliegende Studie - Dissertationen geschrieben werden können. Falsch, weil Historiker keine 100 Jahre benötigten, um das zu erkennen. Denn dann hätte es erste Arbeiten über den Notting Hill Carnival erst im Jahr 2089 geben dürfen. Doch was ist der Notting Hill Carnival überhaupt? Und warum beschäftigen sich Historiker mit ihm? Der Notting Hill Carnival ist ein jährliches Straßenfest im Londoner Stadtteil Notting Hill. Heute feiern auf ihm Hunderttausende von Menschen - Afrokariben und weiße Briten, Londoner und Touristen, Jung und Alt - am Sonntag und Montag der August Bank Holiday mit bunten Kostümen, lauter Musik, karibischem Essen und Alkohol. Von seinen Anhängern wird das Treiben selbstbewusst als Europas größtes Straßenfest bezeichnet, als Höhepunkt des Jahres, den man sich keinesfalls entgehen lassen dürfe. Viele Anwohner hingegen fliehen regelrecht vor ihm, da ihm der Ruf anhaftet, nicht nur mit Lärm und Müll, sondern auch Gewalt einherzugehen. Um dieses Fest mit all seinen Facetten soll es in dieser Arbeit gehen, von seinem Anfang - oder besser: seinen Anfängen - im dritten Viertel des 20. Jahrhunderts bis in die 1990er Jahre. Dass sich das Treiben heute selbstbewusst als Europas größtes Straßenfest bezeichnet und an ihm Hunderttausende von Menschen teilnehmen, macht es sicherlich interessant. Für Historiker relevant wird der Carnival in Notting Hill jedoch vor allem - so sei als Ausgangsthese formuliert -, weil er eine zentrale Schnittstelle, ja eine Kontaktzone war, an und in der wiederholt und häufig kontrovers das Eigene und das Andere verhandelt wurden. An ihm und mit ihm wurde jährlich ausgehandelt, was es bedeutete, als Mensch mit afrokaribischer Herkunft in Großbritannien zu leben. Und zugleich, was es für die britische Gesellschaft bedeutete, seit der Nachkriegszeit eine afrokaribische Minderheit zu besitzen. 1. Fragestellung Von dieser Ausgangsthese leitete sich die konkrete Fragestellung dieser Arbeit ab. Es wird untersucht werden, wie das Eigene und das Andere anhand des Notting Hill Carnivals ausgehandelt wurden, inwiefern und ob es sowohl aufseiten der Afrokariben als auch der britischen Mehrheitsbevölkerung eine Rückbesinnung auf das Eigene gab, wenn sie mit dem jeweils Anderen konfrontiert waren - und wie diese Rückbesinnung aussah. Also: Was wurde jeweils wann, warum als das Eigene betrachtet? Was als eigene Kultur, als eigene Geschichte, als eigene Identität? Was war in Abgrenzung davon das Andere? An welche (konstruierten) Traditionslinien wurde dabei angeknüpft? Wie wurden diese Traditionslinien wahrgenommen, sich angeeignet und in der konkreten zeitlichen und räumlichen Situation in London umgesetzt? Wie wurde dabei insbesondere die Geschichte des karibischen Carnivals, der Afrokariben überhaupt, (um-)gedeutet, wie und warum wurde sie handlungsleitend? Oder, anders formuliert: Wie bestimmten die Afrokariben in Großbritannien ihr In-der-Welt-Sein? Wie definierte sich die britische Mehrheitsgesellschaft? Wer und welche kulturellen Einflüsse zählten jeweils zu unterschiedlichen Zeiten zu ihr? Es griffe jedoch bedeutend zu kurz, das Eigene und das Andere, die anhand des Notting Hill Carnivals ausgehandelt wurden, nur entlang ethnischer Kategorien zu definieren, sprich: nur entlang einer Grenze zwischen weißer britischer Mehrheitsbevölkerung und Afrokariben. Es standen sich nämlich keineswegs zwei monolithische Blöcke gegenüber. Vielmehr waren beide Seiten vielfach

Schlagzeile

Eigene und Fremde Welten

Weitere Artikel vom Autor "Klöß, Sebastian"

Lieferbar innerhalb 1 - 2 Wochen

42,00 €
inkl. MwSt.

Lieferbar innerhalb 1 - 2 Wochen

24,80 €
inkl. MwSt.
Alle Artikel anzeigen