Jademond

Historischer Roman

Erschienen am 01.02.2005
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Bibliografische Daten
ISBN/EAN: 9783809024866
Sprache: Deutsch
Umfang: 540 S.
Format (T/L/B): 4.3 x 23.4 x 16.2 cm
Einband: gebundenes Buch

Beschreibung

Die atemberaubende China-Saga von Jose Freches wird fortgeschrieben: Eine alte Prophezeiung besagt: Wer die Jadescheibe besitzt, erreicht alles im Leben a€" Glück, Reichtum, Liebe und Macht. Lü Buwei, der Händler der "Himmelspferde", hat mit ihrer Hilfe tatsächlich seine Träume verwirklicht: Er ist Erster Minister im Königreich Qin und glücklich mit der zauberhaften Tänzerin Zhao Ji, der Liebe seines Lebens. Nun ist Zhao Ji von ihm schwanger und wird ihm bald den ersehnten Erben schenken. Doch eine große Aufgabe liegt noch vor dem trickreichen Pferdehändler: Er möchte die tyrannischen Kräfte zurückdrängen, deren Ziel eine Diktatur ist. Lü Buwei ersinnt einen perfiden Plan, der seinen Einfluß am Hofe sichern wird: Seine schwangere Frau soll das Bett mit dem jungen König Yiren teilen und ihm als seine Königin den legitimen Thronfolger gebären. Lü Buweis Sohn soll später durch einen anderen Jungen ersetzt werden. Ein geeignetes Baby ist schon gefunden: Goldener Fisch. Doch Goldener Fisch trägt ein unverwechselbares Muttermal a€" in Form des rituellen Jademondes ...

Autorenportrait

José Frèches studierte Sinologie, Kunstgeschichte und Geschichte. Mit gerade 21 Jahren wurde er Konservator am Louvre und dem Musée Guimet in Paris - dem Nationalmuseum für asiatische Kunst. Heute leitet er eine PR-Agentur in Paris und eine Kunstgalerie in der Provence. "Die Himmelspferde" - sein viel beachtetes literarisches Debüt und Auftakt der dreibändigen China-Saga - stürmte binnen kürzester Zeit die Bestsellerlisten Frankreichs und verkaufte sich über 300 000 Mal!

Leseprobe

Die Jadescheibe lag flach vor ihm auf der marmorierten Brüstung. Die winzigen Glimmersterne waren immer noch da, beruhigend glitzerten sie im schräg einfallenden Licht der untergehenden Sonne. Normalerweise brauchte er, wenn er von Zweifeln geplagt wurde, nur diese alte Ritualscheibe zu betrachten, die er vor Jahren auf dem Markt von Handan entdeckt hatte, und sein Geist und sein Herz kamen zur Ruhe. Auch hatte er die Worte von Weites Tal, der Priesterin vom Huashan-Berg, nicht vergessen: Dieses aus einzigartigem, uraltem Gestein geschliffene sternengesprenkelte schwarze Bi, eine flache Ringscheibe mit einem kreisrunden Loch in der Mitte, verfügte über magische Kräfte und schenkte seinem glücklichen Besitzer ein langes Leben ... Doch an diesem Abend blieb die gewohnte Wirkung der Scheibe aus. Vom Balkon seines Zimmers aus genoss er die freie Aussicht auf die umliegenden Berge, doch selbst der Anblick der Natur, die sich für die Nacht zur Ruhe legte, konnte die Angst nicht lindern, die ihn quälte. Die Felsen in der Ferne überzogen sich mit einem rosigen Saum, und die Zweige der Wacholdersträucher zeichneten sich wie seltsame Streifenmuster vor dem verwaschenen Blau des Himmels ab, an dem Schwärme von Wolken, vom Abendwind getrieben, gen Westen flohen. Streifen, die ihn an Jiaguwen erinnerten, jene Risse, die auf Schildkrötenpanzern oder den Schulterblättern von Widdern aufsprangen, wenn die Wahrsager sie ins Feuer hielten, um aus ihnen die Zukunft herauszulesen. Und auch Lü Buwei fragte sich in diesem Augenblick, was die Zukunft wohl für ihn bereithielt ... Der mit einem Hauch von Pfeffer aromatisierte grüne Tee war so heiß, dass er sich damit die Kehle verbrannt hatte, aber ohne auf den Schmerz zu achten, blickte Lü Buwei, der sich inzwischen in einem Korbsessel auf dem Balkon seines Zimmers niedergelassen hatte, nachdenklich auf seine jüngsten Achal-Tekkiner-Fohlen hinab. Verspielt tollten sie auf den umzäunten Weiden am Fuß des grasbewachsenen Hügels herum, der hier in Xianyang nur der Pferdehügel genannt wurde, weil sich darauf nicht nur Lü Buweis prächtiger Palast erhob, sondern auch die unzähligen Ställe, Koppeln und Pferche des Pferdehändlers aus Handan. Trunken von der frischen Luft und überglücklich, nach der Enge ihrer Boxen nun wieder draußen auf der Wiese zu sein, schmückten die Himmelspferde ihre federleichten Galoppjagden mit zahllosen Luftsprüngen und Kapriolen. Diese kleinen, reinrassigen Tiere, die so ungestüm herumwirbelten wie Funken im Wind, wussten nicht, dass sie am Ursprung seines außergewöhnlichen Aufstiegs standen und ihn von einem einfachen fremden Kaufmann, dem aufgetragen worden war, diese neue Pferderasse im Königreich Qin anzusiedeln, zum Minister für seltene Ressourcen hatten werden lassen, einem der einflussreichsten Männer des Reichs, gleich hinter dem König und dem Ersten Minister ... Mit der Ernennung in dieses hohe Amt hatte Qin jenem Mann gedankt, der mit Hilfe seiner pfeilschnellen und kampfesmutigen Pferde dem Kavalleriebestand des Landes wieder zu alter Stärke verholfen und dadurch die Überlegenheit von Qin über seine kriegerischen Nachbarn gesichert hatte. Dieses Königreich, in dem raue Sitten herrschten, hatte einen weiten Weg zurückgelegt, seit Lü Buwei in dem Bewusstsein, unter dem Schutz seiner Jadescheibe zu stehen, auf Einladung des alten Königs Zhong sein früheres Leben als Kaufmann in Handan, der Hauptstadt von Zhao, aufgegeben und sich mit den schönsten Tieren aus seiner Zucht in Xianyang niedergelassen hatte! Dem Königreich Qin stand dank der Wiederherstellung seiner militärischen Übermacht zweifellos eine glanzvolle Zukunft bevor, doch wie war es um sein eigenes Dasein bestellt? Vor kurzem hatte er zugelassen, dass Zhao Ji, die Frau seines Lebens, den neuen König von Qin heiratete. Und nun fragte er sich, ob er nicht Trugbildern nachgejagt war und das Wesentliche in seinem Leben geopfert hatte, als er seine sanfte, schöne Geliebte dem jungen Kön ...

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