Leseprobe
Einleitung Vom Ende zum Anfang Der lange Weg zur Police-Reunion Im Grunde wollte ich immer nur eines von Sting wissen: Wird es je wieder The Police geben? In den vergangenen 20 Jahren habe ich ihn zwölf Mal interviewt, auf Tourneen begleitet und viele Male im Konzert gesehen. Wir haben über Brecht, Menschenrechte, den Regenwald, Haarsausfall, Jazz, Älterwerden, Sex und Yoga gesprochen, aber auf die wichtigste Frage gab er mir nie die richtige Antwort. Als ich Sting zum ersten Mal traf, am 16. Dezember 1987 nach seinem Konzert in der Londoner Wembley Arena, gab es Police schon nicht mehr. Trotzdem waren sie zu meiner großen Freude an diesem Abend gegenwärtig, zumindest ein großer Teil von ihnen: Andy Summers hatte gerade bei Message In A Bottle einen umjubelten Gastauftritt. 40 Minuten später stand Sting vor mir, in einem langen blauen Mantel und Hut, neben ihm sein neunjähriger Sohn Joe. Die Zeit war knapp. Reden wir nicht lange um den heißen Brei herum, dachte ich mir. In dem Moment fragte ich ihn zum ersten Mal, was ich ihn seitdem noch öfter fragen sollte: Ob er sich jetzt, nach dem gemeinsamen Auftritt mit Summers, nicht vielleicht doch vorstellen könnte . . . . Er ließ mich gar nicht ausreden, unterbrach mich mit einem herausfordernden Lächeln. "Sehen Sie, ich werde das ganze kommende Jahr auf Tournee sein. Und in den nächsten Tagen möchte ich mit meiner Familie ein ruhiges Weihnachtsfest in London feiern. Das wünsche ich Ihnen auch. Merry X-mas." Sprach's, nahm seinen Sohn an die Hand und verschwand. So ähnlich sollte es mir in den nächsten Jahren immer wieder ergehen. Mal antwortete er freundlich, mal genervt, die Aussage war immer dieselbe: Nie wieder Police! Aus und vorbei! Mir wollte es einfach nicht in den Kopf, dass sich eine Band - okay, meine Lieblingsband - auf dem Höhepunkt ihres Erfolges aufgelöst hatte. Das hat auch bei den Beatles bis heute niemand verstanden oder verstehen wollen. Die Erklärungen der Fab Four für die Trennung waren im Grunde die gleichen wie bei Police: Zusammenprall der Egos, keine Freiheit, sich zu entwickeln, nur noch Frust, die reine Hölle eben. Die Sache ist nur die, dass in diesen Höllen des Pop oft geniale Musik entstanden ist, von der man gerne mehr gehabt hätte. Stattdessen gab es viele interessante Projekte von Summers und Copeland und natürlich die hörenswerten und sehr erfolgreichen Soloplatten von Sting. Die vertraute Stimme, das Gespür für Harmonien und jede Menge anspruchsvolle Fusionen von Jazz, Soul, Country und Rock. Alles wunderbar. Nur die Schlagkraft von Police ging dabei verloren, dieses Raue, das entsteht, wenn Egos erst einmal kollidieren und dann doch zusammenfinden. Und es ist sicher kein Zufall, dass die Zuschauer bei Sting-Konzerten immer dann am lautesten jubelten, wenn er ein paar alte Police- Songs spielte. Klar, es ist auch Nostalgie. Denn vielen mag diese Musik die Erinnerung an die eigene Sturm- und Drangzeit wiederbringen - so, wie es eben nur ein Lied kann...