Beschreibung
Verführer, Schurken, Magier: Die Trias des Titels steht prototypisch für historische Personen und fiktive Figuren, die durch Normverletzungen, Regelverstöße, Sittendelikte, Wertemissachtungen, Verhaltensübertretungen oder Moralvergehen aus der gesellschaftlichen Mitte verbannt worden waren, oder die sich selbst von der Gesellschaft abgewandt haben und diese von außerhalb in Frage stellen. Als soziale Außenseiter und Widersacher der Gesellschaft werden diese Personen und Figuren überwiegend negativ dargestellt. Das heißt aber nicht immer, dass sie unter negativen Vorzeichen rezipiert wurden: Denn in ihren Eigenschaften und Verhaltensweisen spiegelt sich oft das Fragwürdige gängiger Normen, Sitten und Bräuche, aber auch die Suche nach Rechtfertigung alter sowie die Begründung neuer ethischer Normen und Werte.
Kunst und Literatur haben sich ihrer bedient, um die gesellschaftlicher Praxis zugrunde liegenden verbindlichen sittlichen Normen der jeweils herrschenden Moral und die Begründung von Formen und Prinzipien rechten Handelns zu beweisen oder auch zu verwerfen. Unterschiedliche Zeiten fassen sie durchaus unterschiedlich, ja widersprüchlich auf, und viele von ihnen sind bis heute in Literatur und Kunst, auf der Bühne und im Film lebendig geblieben.
Weitere Bände der Reihe Mittelalter-Mythen:
Band 1: Herrscher, Helden, Heilige
Band 2: Dämonen, Monster, Fabelwesen
Band 4: Künstler, Dichter, Gelehrte
Band 5: Burgen, Länder, Orte
Autorenportrait
Ulrich Müller war Professor für Deutsche Literatur des Mittelalters an der Universität Salzburg.
Werner Wunderlich war Direktor des Instituts für Medien- Kommunikationsmanagement und Inhaber des Lehrstuhls »Medien und Kultur« an der Universität St. Gallen.
Rezension
"Was haben Judas Ischarioth, der Rattenfänger von Hameln und Tristan und Isolde gemeinsam? Sie alle sind reale oder fiktive Gestalten, die als Außenseiter am Rand der Gesellschaft stehen. In einem umfangreichen Aufsatzband, herausgegeben von Ulrich Müller und Werner Wunderlich, werden unter dem Titel "Verführer, Schurken, Magier" zahlreiche, in ihrer Bedeutung sehr ambivalente Figuren von der Antike bis zur Neuzeit vorgestellt, die zwar bekannt erscheinen, aber selten genau einzuordnen sind. Wissenschaftlich fundiert, aber trotzdem sehr flüssig geschrieben, steht die Zweiseitigkeit so bekannter Figuren wie Agnes Bernauer, Nostradamus, Merlin oder Salome im Mittelpunkt der Untersuchung. Schnell wird aus einem Albertus Magnus ein Magus und Venus ist nicht nur für Freude, sondern auch für Leid verantwortlich. Nicht nur der Ursprung historischer und literarischer Gestalten, auch ihre Rezeption und Fortleben in der Tradition der Sagen und Mythen werden durch dieses Buch erhellt."
Damals
"Das fast 1000-seitige Buch dürfte auch für Mittelalter-Muffel interessant sein. Denn seine Stärke liegt darin, Mythen durch verschiedene Epochen zu verfolgen, einerseits zurück bis zu ihren historischen Wurzeln und andererseits weiter bis in unsere Tage."
Salzburger Nachrichten