Beschreibung
Wir gratulieren unserer Autorin Lotte Bormuth zum 80. Geburtstag! Aus diesem Anlass erscheint dieser umfangreiche Sammelband. Er enthält die besten, schönsten, ergreifendsten Erlebnisse der beliebten Autorin, die 1934 in Bessarabien (heutige Ukraine) geboren wurde, als Kind die Flucht und den Tod der kleinen Schwester erlebte und 1956 während des Theologiestudiums ihren späteren Mann kennenlernte. Heute lebt sie in Marburg und hat fünf erwachsene Kinder und 15 Enkel. Ihr erstes Buch veröffentlichte sie 1981. Inzwischen gehört sie zu den bekanntesten christlichen Autorinnen im deutschsprachigen Raum.
Autorenportrait
Lotte Bormuth ist eine der erfolgreichsten Autorinnen Deutschlands. In bald 100 Titeln hat sie mit Lebensbildern und eigenen Erlebnissen vielen Menschen Trost, Freude und Glaubensmut vermittelt. Sie hat fünf Kinder und 15 Enkel und lebt mit ihrem Mann in Marburg.
Leseprobe
Der Ansturm war unglaublich Nie und nimmer hätte ich gedacht, dass nach einer Ausstrahlung meiner Sendung im Evangeliumsrundfunk solch ein Ansturm erfolgen würde. Pastor Horst Marquardt, der frühere Direktor, hatte mich zu einem Interview eingeladen, und dieser Aufgabe bin ich gerne gefolgt. Aber kaum war mein letzter Satz in der Abendsendung verklungen, da läutete auch schon kurz nach Mitternacht das Telefon. Es riss mich um 0 Uhr 17 aus dem Schlaf. Was nun folgte, hätte ich nie und nimmer erwartet. Vier Tage kam ich nicht vom Telefon weg. Aus Ost und West, aus Nord und Süd erreichten mich die Anrufe. Sogar aus Luxemburg und der Schweiz suchten Menschen den Kontakt mit mir. Einige wollten mir nur ein herzliches Dankeschön sagen, andere baten mich um ein Gebet, Kranke brauchten Trost und Schwermütige neue Hoffnung. Es gab viele Anfragen von den Zuhörern, ob sie denn ein Buch von mir haben könnten. Meinem Mann fiel die schöne Aufgabe zu, Päckchen um Päckchen zu packen. Pastor Marquardt hatte meine Telefonnummer am Ende der Sendung angegeben und darauf hingewiesen, dass ich Schriftstellerin sei. Ich war jedenfalls von dem Ansturm überwältigt, dabei hatte ich in dem Interview gar nichts Besonderes erzählt, sondern nur berichtet, wie Jesus mich in meinem Leben geführt hat. Aber wahrscheinlich ist dies gerade das Besondere. Ich lebe in der Gemeinschaft mit dem Gottessohn, und er begleitet mich als der beste Freund durch Höhen und Tiefen, so wie das Leben spielt. Pastor Marquardt kenne ich sehr gut schon von den Anfängen des Evangeliumsrundfunks her. Wie gering fing dieser Missionsauftrag an. In einem ausgebauten Schuppen habe ich meine erste Sendung gesprochen. Heute ist der Evangeliumsrundfunk weltweit bekannt. Zu Beginn meiner Ehe wurde ich eine eifrige Mitarbeiterin vor allen Dingen beim Frauenfunk. Unter Frau Thielemann wurde fast jede Woche ein Bericht von mir ausgestrahlt, und das hat mich, wie ich erst später erfahren habe, vor allem in der DDR bekannt gemacht. Hörer baten mich, ob ich ihnen meine Bücher schicken könnte, denn christliche Literatur war im Osten Mangelware. Aber ich konnte immer nur ein Buch verpacken und musste einen Zettel einlegen, dass der Versand einer christlichen Schrift durch Erich Honecker, den Staatsratsvorsitzenden in der DDR, erlaubt sei. Zeitaufwendig war diese Aufgabe, und die einzelnen Bücherpakete musste ich von verschiedenen Postämtern aus versenden. Durch die Wende wurde vieles verändert. Wir sind wieder, Gott sei Dank, ein Volk geworden, und meine Bücher werden gerade in den Neuen Bundesländern gerne gelesen. Seit dem Zusammenschluss von Ost und West darf ich die Frohe Botschaft von Jesus überall verkündigen. Jedes Mal, wenn ich über die frühere Grenze fahre und an dem hohen Beobachtungsturm hinter Hof vorbeikomme, spreche ich ein Gebet und danke meinem Herrn für die Zusammenführung zweier deutscher Staaten. Aus der Mark Brandenburg, aus Thüringen, aus Sachsen und Mecklenburg erreichten mich viele Telefonanrufe. Aber nun will ich einfach erzählen, was ich in dieser Sendung ausgesprochen habe. In meinem Leben als Schriftstellerin und Rednerin habe ich viele wunderbare Erfahrungen gemacht. Es gibt ein Lied, das mich schon früh angesprochen hat und seitdem begleitet: "Wir sind ein Volk vom Strom der Zeit gespült, ans Erdeneiland." Dort heißt es im Refrain: "Es ist das Kreuz von Golgatha, Heimat, für Heimatlose." Ich habe als junger Mensch sehr darunter gelitten, dass wir Flüchtlinge waren, von Bessarabien, dem Land am Schwarzen Meer, umgesiedelt. Fruchtbar waren die Felder mit mehr als einem Meter Humuserde. Das Düngen der Äcker war nicht nötig. Das Getreide wuchs auch ohne Kalkstickstoff und andere Düngemittel. Später landeten wir in Polen, und mein Vater baute sich eine neue Existenz auf. Leider dauerte der Aufenthalt im Kreis Krotoschin nicht sehr lange. Die russische Front rückte näher, und schon am 19. Januar 1945 hieß es wieder, die Zelte abzuschlagen und sich auf eine Reise zu