Totenstätte. Städteleben

Dt/engl

Erschienen am 15.11.2019, 1. Auflage 2019
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Bibliografische Daten
ISBN/EAN: 9783943897494
Sprache: Deutsch
Umfang: 36 S., 44 Illustr., mit einer individuellen, im Si
Einband: Paperback

Beschreibung

Einleitung Die "Metropole" charakterisiert den Lebens- und seit langem idealisierten Zukunftsraum des Menschen schlechthin. Die "Nekropole" dagegen als eine Stadt der Toten verweist in ihrem lateinischen Wortstamm zurück auf die polis - die "Stadt". Ausgehend vom Thema Friedhof, mit dem ich mich seit vielen Jahren intensiv beschäftige, habe ich eine sehr enge Verbindung zwischen der Struktur der Stadt und der des Friedhofes wahrgenommen. Im Rahmen meines Promotionsprojektes habe ich diese einerseits in einem wissenschaftlichen Zugriff analysiert und andererseits künstlerisch ausgelotet. Der Fokus meiner Untersuchungen erstreckt sich dabei auf das letzte Drittel des 19. und das beginnende 20. Jahrhundert. Der vorliegende Katalog zeichnet das Resultat meiner künstlerischen Auseinandersetzung nach. Er zeigt die Summe meiner Streifzüge über drei Friedhöfe: den Jüdischen Friedhof Weißensee in Berlin, den Urnenhain in Dresden-Tolkewitz und den Ohlsdorfer Friedhof in Hamburg. Trotz ihrer Verschiedenheit besitzen diese Totenstädte eine grundlegende Gemeinsamkeit: ihre Straßenzüge sind gesäumt von ewigen beziehungsweise temporären Wohnstätten, ähnlich wie die Häuser einer richtigen Stadt. Die folgenden Fragen waren für meine Analysen und k&uauml;nstlerischen Annäherungen zentral: Worauf beruht die genannte Gemeinsamkeit zwischen Friedhof und Stadt und weshalb erschafft sich der Mensch immer wieder ähnliche Raumstrukturen? Wie weit geht die Konvergenz zwischen beiden und wo eröffnen sich Grenzräume? Die räumlichen Ordnungsmuster erschafft sich der Mensch, um sich seine hiesige Welt nach seinen Bedürfnissen einzurichten. Diese Prinzipien prägen jedoch ebenso seine Vorstellung von der jenseitigen Welt. Basierend auf gesellschaftlichen Faktoren verändern sich die Raumstrukturen, zeigen sich in transzendenten Zwischenzonen zwischen Leben und Tod, deren Ausdruck sich auf dem Friedhof wiederfindet. Das künstlerische Werk bringt im Hinblick auf die Nekropole zum Ausdruck, dass Sichtbares und Unsichtbares sich nicht gegenseitig ausschließen, sondern zwei mögliche vor allem zwei reale, gegenwärtige Zustände eines Raumes sind. Die Entstehung der drei Totenstädte Besucht und untersucht man Friedhöfe, so sind deren Ort und Gestaltung durchaus divers, dem Betrachter wird aber trotz aller Verschiedenheit gerade deren Verbundenheit zueinander be- wusst. Augenmerk dieser Arbeit bilden der Jüdische Friedhof Berlin-Weißensee, der Urnenhain in Dresden-Tolkewitz und der Ohlsdorfer Friedhof in Hamburg. Für jeden dieser Friedhöfe wurde ein spezifisches Objekt entwickelt, bestehend aus identischen 1 x 1 Meter großen transparenten Plexiglasplatten. Letztere wurden im Siebdruckverfahren mehrschichtig bedruckt und werden in einer geschweißten Metallkonstruktion als Objekt gehalten. Einige Aspekte, welche diese drei Objekte miteinander verbinden oder aber trennen, lassen sich wie folgt beschreiben: Jedes Objekt spiegelt einen der drei Friedhöfe in seiner Einmaligkeit wider, jedes Objekt wurde mit spezifisch dafür entwickelten Sounds von der Tonkünstlerin Konstantina Orlandatou vertont. Durch die in sich geschlossene Form der jeweiligen Objekte bilden sie einen unabhängigen, begehbaren Innenraum in Relation zu dem sie umgebenden "Außen"-Raum. Diese Innenräume verschmelzen aufgrund sporadischer Transparenzen in den bedruckten Flächen mit ihren Außenseiten, temporär einströmendes Licht verändert die Wahrnehmung der einzelnen Bildflächen. Da die inneren Bildfelder dicht vor dem Auge des Betrachters schweben, verweigern sie ihm ein Wahrnehmen im Ganzen. Sie bedrängen ihn fast durch ihre direkte Präsenz. Die farbige "Totenstadt I" bietet keinen Ein- beziehungsweise Ausgang auf Augenhöhe, nur durch Bücken kann das Innere betreten und verlassen werden. Beim Eintritt in das Dickicht des Rhododendron-Fünfecks der "Totenstadt II" gibt der Untergrund aus grauem Split sanft nach. Dagegen führt die in hell-dunkel gehaltene "Totenstadt III" den Blick nach oben durch Kiefernzweige zum Himmel, der sich im Boden widerspiegelt.

Autorenportrait

Verfasserin: Karen Koschnick 20142020 Hochschule für Bildende Künste Hamburg: Promotionstudium (Dr. phil. in Art) bei Prof. Dr. Michael Diers (HFBK Hamburg) und Prof. Dr. Wolfgang Scholz (KHBWeißensee, Berlin) 20082010 Hochschule für Bildende Künste Dresden: Meisterschülerin bei Frau Prof. Elke Hopfe 2007 Staatsoper Hamburg: Bühnen- und Regieassistenz 2005 Technische Universität Dresden: Abschluss des Begleitstudiums: Regionalwissenschaften Lateinamerika, Insitut für Romanistik 2004 Hochschule für Bildende Künste Dresden: Diplom Malerei/Graphik und andere Bildnerische Medien 2003 Erasmusstipendien, Spanien Universidad de Castilla de la Mancha, Cuenca, und Universidad de Málaga, Málaga 2002 Kunsthochschule Berlin-Weißensee: Gaststudentin bei Prof. Dr. Manfred Zoller und Prof. Hanns Schimansky 19982004 Hochschule für Bildende Künste Dresden: Studium der Malerei/Graphik und andere Bildnerische Medien Stipendien/Preise (Auswahl) 2017 Haslla Art World, Korea: zwei-monatiges Projektstipendium, Haslla Art Foundation 2016 Einjähriges Pro Exzellenzia Stipendium, Hamburg 2015 Haslla Art World, Korea: zwei-monatiges Projektstipendium, Haslla Art Foundation 2014 Haslla Art World, Korea: zwei-monatiges Projektstipendium, Haslla Art Foundation 2013 Haslla Art World, Korea: artist-in-residence, Haslla Art Foundation & Thessaloniki, Griechenland: artist-in-residence, Stipendium der Stadt Dresden 2011 Strasbourg, Frankreich: artist-in-residence, Stipendium der Stadt Dresden 2010 Karlsruhe, Sparkassenstiftung: Kunstpreis der Stadt Karlsruhe - 3. Preis beim 33. Kunstpreis 2009 Foreign Affairs XII: artist-in-resi-dence, Zygote Press Inc., Cleveland, State Ohio, USA 20142020 Academy of Fine Arts Hamburg PhDstudies, (Dr. phil. in art) Prof. Dr. Michael Diers (HfbK Hamburg) and Prof. Dr. Wolfgang Scholz (KHBWeißensee, Berlin) 20082010 Academy of Fine Arts Dresden: Post Graduate Degree Prof. Elke Hopfe 2007 Opera of Hamburg: Stage and Directorial assistant 2005 University of Technology Dresden: Accompanied Latin American and Biology studies (two semester) 2004 Academy of Fine Arts Dresden: Master of Fine Art Diploma (equiv.): Malerei/Graphik und andere Bildnerische Medien 2003 Cultural Exchange Programme, Spain: Universidad de Castilla de la Mancha, Cuenca and Universidad de Málaga 2002 Academy of Fine Arts, Berlin-Weissensee: Guest student of Prof. Dr. Manfred Zoller and Prof. Hanns Schimansky 19982004 Academy of Fine Arts, Dresden: Study Course Malerei/Graphik und andere Bildnerische Medien Scholarship Programmes/Awards www.karenkoschnick.de

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